Mit innovativer Ultraschalltechnologie sind die Ärzte des Gefäßzentrums in der Lage, morphologische Strukturen besser als bisher darzustellen und Flussinformationen genauer zu analysieren. Die diagnostische Effizienz des Gefäßultraschalls wird deutlich verbessert.
Das sogenannte Cross-beam-imaging (CB) kann durch simultane Ausstrahlung von Ultraschallwellen in unterschiedlichen Winkeln komplexe Strukturen im Ultraschallfeld detailgenauer darstellen. Das Hintergrundrauschen des B-Bildes wird durch das sogenannte „speckle reduction imaging" (SRI) mit Hilfe eines speziellen postprocessing-Algorithmus so reduziert, dass reale Strukturen verstärkt und randomisierte Hell-Dunkel-Wechsel geglättet werden. Beide Methoden, die auch miteinander kombiniert werden können, bewirken eine fundamentale Verbesserung des Signal-Rausch-Verhältnisses (SRV) im B-Bild.
Im Unterschied zu den klassischen Doppler-Verfahren kann das B-Flow-Verfahren weitgehend unabhängig vom Ultraschallwinkel mit hoher Ortsgenauigkeit Flussphänomene darstellen. Es beruht auf der Subtraktion sukkzessiver B-Bilder (analog zum DSA-Verfahren).
Darüber hinaus kann durch Injektion von Ultraschallkontrastmitteln die Reflexion des Blutes selektiv erhöht werden. Unter Verwendung harmonischer Oberschwingungen dieser „microbubbles" zur Signaldarstellung kann bei niedrigem mechanischem Index das Gewebesignal supprimiert und dadurch das Signal-Rausch-Verhältnis noch weiter erhöht werden (contrast harmonic imaging).
Anwendungsgebiete
Die fundamentalen Verbesserungen der B-Bildqualität sind in der Gefäßmedizin wichtig zur Darstellung feinster Gefäßwandveränderungen wie z.B. Intima-Media-Verdickungen, echoarmer Plaques oder Dissekatmembranen.
Das B-Flow-Verfahren kann komplexe Gefäßverläufe visualisieren, die wegen ungünstiger Winkelverhältnisse mit klassischen Farbduplexmethoden oft nicht ausreichend darstellbar sind.
Darüber hinaus ermöglichen sie eine genauere flussunabhängige Graduierung des lokalen Stenosegrades z.B. an der A. carotis interna.
Die Kontrastsonographien haben – wie PD Dr. C. Kügler jüngst auf der Dreiländertagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Gefäßchirurgie in Berlin referierte - derzeit ihren größten Einsatzbereich in der Endoleakdetektion nach EVAR-Prozeduren. Hier haben sie eine den Angio-CT's vergleichbare Sensitivität und Spezifität.
Speziell der Nachweis sogenannter „low-flow-lesions“, d.h. Leckagen mit langsamen Blutflüssen kann durch CE-US sogar besser gelingen als mit Angio-CT. Ein weiteres interessantes Einsatzgebiet könnte auch die Suche nach einem anschlussfähigen Empfängersegment für distale Bypässe bei pAVK sein.
Als eine der ersten Kliniken in Norddeutschland hat die Angiologie des HGZ mit endoluminalen Verfahren der Laserablation und der Radiofrequenzobliteration eine grundlegende Neuerung in der Behandlung der Stamm- und Seitastvarikosis eingeführt. Inzwischen verfügt das Team um Chefarzt PD Dr. Christian Kügler über sehr große Erfahrungen auf diesem Gebiet.
Varizen, insbesondere die großlumigen Varizen der Stammvenen, sind keineswegs nur ein kosmetisches Problem. Mit der Thrombose-Gefahr und damit der Möglichkeit einer Lungenembolie stellen sie eine ernstzunehmende gesundheitliche Beeinträchtigung dar. Während sich die konventionelle Sklerotherapie in der Behandlung der retikulären Varizen und Teleangiektasien bewährt hat, waren die großlumigen Varizen der Stammvenen (VSM und VSP) und deren Seitenastvenen bisher nur durch operative Methoden (Stripping plus Crossektomie, Phlebektomien) effektiv auszuschalten.
Thermische Wandschädigung
Diese interventionellen Therapieverfahren schalten die betreffende insuffiziente Vene nach selektiver Sondierung mittels eines speziellen Katheters von innen her aus. Der Wirkmechanismus sowohl der Laser- als auch der Radiofrequenzverfahren beruht letztlich auf einer thermischen Schädigung der Venenwand. Hierdurch wird akut ein thrombotischer Verschluss der behandelten Vene induziert. Dieser führt zur funktionellen Ausschaltung des venösen Rezirkulationskreislaufs und zur Verbesserung oder gar Normalisierung der venösen Hämodynamik. Im Verlauf von Monaten wird die behandelte Vene dann zu einem fibrösen Strang abgebaut. Diese endovenösen Katheterverfahren sind minimal-invasiv. Als perkutane Verfahren benötigen sie keine Hautschnitte. Daher entfällt insbesondere der inguinale (bei der VSM-Ablation) bzw. popliteale Hautschnitt (bei der VSPAblation). Darüber hinaus werden sie grundsätzlich in lokaler Betäubung durchgeführt, eine Allgemeinnarkose ist nicht erforderlich. Außerdem wird die Intervention ausschließlich sonographisch gesteuert. Die Patienten werden daher weder durch Röntgenstrahlung noch durch Kontrastmittel belastet.
Vorteile der endoluminalen Laserablation (PELAS)
Die endovenöse Lasertherapie bietet einige wichtige Vorteile: Sie ist gegenüber der kathetergestützten Sklerosierung präziser anwendbar, da die Venenschädigung im Bereich einiger Millimeter um die Laserspitze erfolgt. Gegenüber der Radiofrequenztherapie tritt die Energieübertragung auf die Vene deutlich schneller und indirekt ein. Die primäre Erfolgsrate der PELAS liegt bei 97 bis 100 Prozent. Sie ist damit mit der Effektivität der Operation vergleichbar (Darwood 2008) und der frühen Okklusionsrate durch RFO mindestens ebenbürtig. Zudem kann die Lasertherapie auch für die Behandlung der VSP, nicht stark geschlängelter Seitastvarizen und kleinkalibriger Varizen eingesetzt werden. Eine aktuelle Metaanalyse, in die 29 endovenöse Laserstudien, 32 Radiofrequenzstudien und 22 Schaumsklerotherapie- Studien eingingen, zeigt, dass die endoluminalen Laserverfahren die beste Langzeiteffektivität (definiert als komplette Okklusion der behandelten Vene am Ende der Verlaufsbeobachtung) haben. Aktuelle prospektive Längsschnittuntersuchungen über sieben Jahre mit jährlichen Verlaufskontrollen (klinische Untersuchung, Duplexultraschall, Assessment venöser Symptome und der Patientenzufriedenheit) belegen, dass die endovenöse Lasertherapie ein effektives und sicheres Behandlungsverfahren mit sehr guten Langzeitergebnissen ist (Ravi 2009).
Operation seltener nötig
So kann die endovenöse Lasertherapie (EVL) die klassischen operativen Verfahren zur Behandlung der Stammvarikose in einem erheblichen Umfang ersetzen. Diese Methode bietet sich insbesondere zur Behandlung der V.-saphena-parva- Insuffizienz an, da sie hier bei gleicher Effektivität deutlich weniger Nebenwirkungen hat als die klassische Operation. Sie ist im HGZ bereits jetzt Methode der ersten Wahl zur Behandlung der VSM und VSP bei denjenigen Patienten mit Kontraindikationen gegen Narkose, mit deutlicher Komorbidität, mit Lymphödemen, Wundheilungsstörungen oder einer vernarbten Leisten- bzw. Kniekehlenregion. Von Vorteil ist auch ihre Anwendbarkeit bei Patienten unter oraler Antikoagulation, da für die Durchführung der endoluminalen Lasertherapie keine Umstellung der Gerinnungshemmung erforderlich ist (Theivacumar 2009a). (Auszug aus Christian Kügler, Venenkrankheiten, Kapitel 7.5, ABW Wissenschaftsverlag)