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01.12.2017, Bad Bevensen

HGZ-Symposium: Katheterbasierte Verfahren bei Herzklappen-OPs auf dem Vormarsch

Namhafte Experten diskutierten moderne Behandlungsmöglichkeiten und erlebten die erste 3D-Live-Übertragung Norddeutschlands einer Klappen-OP

Wenn die Mitralklappe, eine der vier Herzklappen, nicht richtig funktioniert, dann spüren viele Betroffene das vor allem daran, dass ihnen das Atmen schwerfällt. "Luftnot ist eines der Hauptsymptome für eine Fehlfunktion der Mitralklappe", erläutert Prof. Dr. Andrew Remppis, Chefarzt der Klinik für Kardiologie des Herz- und Gefäßzentrums Bad Bevensen (HGZ). Die hochspezialisierte Klinik gehört bundesweit mit zu den führenden Häusern bei der Behandlung dieser lebensbedrohlichen Erkrankung. Allein 2016 versorgten die Fachärzte am HGZ über 200 an der Mitralklappe erkrankte Patienten entweder operativ oder interventionell. Entsprechend hochkarätig besetzt und gut besucht war das Symposium "Brennpunkt Mitralklappe - behandeln wir heute anders?", zu dem die Herzspezialisten Prof. Dr. Gerhard Wimmer-Greinecker, Chefarzt der Klinik für Herz-Thorax-Chirurgie, und Prof. Remppis ins HGZ geladen hatten. Mehr als 100 Fachärzte diskutierten insbesondere über moderne, minimal-invasive Verfahren, mit denen die Patienten möglichst schonend behandelt werden können. Einen der Höhepunkte des Symposiums bildete die erste 3D-Live-Übertragung Norddeutschlands einer minimal-invasiven Mitralklappen-OP.

Die Mitralklappe hat die Aufgabe, den Rückfluss von Blut aus der linken Herzkammer in den linken Vorhof zu verhindern, wenn die Kammer sich beim Pumpen zusammenzieht. Sie ist ein hochkomplexes Gebilde, das sich aus dem sogenannten Ring, den Segeln und Sehnenfäden zusammensetzt und selbst in einer komplexen Interaktion mit der linken Herzkammer steht, welche wiederum einen entscheidenden Einfluss auf die Funktion der Klappe hat. Schließt die Klappe nicht mehr vollständig, so spricht die Fachwelt von einer Mitralklappeninsuffizienz, der häufigsten Erkrankung dieses Organs. Ist der Blutdurchfluss dagegen aufgrund einer Verkalkung oder Vernarbung der Klappe vermindert, so spricht man von einer Mitralklappenstenose oder -verengung. Beide Erkrankungen werden im HGZ nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen mit modernsten Verfahren behandelt.

Die Strategie zur Behandlung einer erkrankten Mitralklappe fußt auf der genauen Analyse der anatomischen Klappenverhältnisse und der Funktion der linken Herzkammer. Sind Strukturen der Mitralklappe selbst für die Erkrankung verantwortlich, muss der Patient entweder chirurgisch - und hier so schonend wie möglich - oder seit einigen Jahren auch katheterinterventionell versorgt werden. Unabhängig vom letztendlichen Vorgehen muss grundsätzlich eine pharmakologische Therapie eingeleitet werden, die auf den jüngsten Erkenntnissen der Pathophysiologie beruht. Prof. Remppis erläuterte, dass eine solchermaßen differenzierte medikamentöse Therapie das Fortschreiten einer Herzschwäche verhindern und den Erfolg einer interventionellen oder chirurgischen Behandlung signifikant verbessern kann.

Bereits heute eröffnen die Chirurgen am HGZ, wenn möglich, bei der Mitralklappenoperation nicht mehr den gesamten Brustkorb, sondern durchtrennen entweder nur einen Teil des Brustbeins oder schaffen sich zwischen zwei Rippen hindurch den erforderlichen Zugang. "Unser Ziel ist es grundsätzlich, die erkrankte Klappe wiederherzustellen und somit zu erhalten", sagte Dr. Samer Kseibi, Oberarzt der Klinik für Herz-Thorax-Chirurgie. Das gelinge am HGZ in 89 Prozent der Fälle, damit steht die Klinik im bundesweiten Vergleich ganz vorne. Sei die Wiederherstellung nicht möglich, werde die Klappe ersetzt. Vorteil der Erhaltung: "Die Geometrie der Herzkammer, ihre organisch-anatomische Struktur, bleibt bestehen." Dies sei für den Erhalt der Kammerfunktion von vorrangiger Bedeutung.

Neben diesen minimal-invasiven Operationsmethoden treten aktuell noch schonendere, sogenannte katheterbasierte Verfahren, immer mehr in den Vordergrund. PD Dr. Christof Burgdorf, Oberarzt der Klinik für Kardiologie am HGZ, zeigte dazu einen entsprechenden Eingriff anhand eines vorbereiteten Videos. "In fünf bis zehn Jahren wird ein Großteil der Mitralklappenoperationen so mit katheterbasierten Verfahren behandelt werden können", prognostizierte er.

Seit dem Frühjahr 2017 wird in der Spezialklinik nun bei minimal-invasiven Mitralklappenoperationen eine Mini-3D-Kamera verwendet. Diese wird in den Körper des Patienten eingeführt und erlaubt ein noch präziseres Arbeiten des Operateurs. Das HGZ zählt zu den Pionieren auf dem Gebiet der minimal-invasiven Herzchirurgie und wirkt auch an der medizintechnologischen Entwicklung mit. Im HGZ wurde 2014 der bundesweit erste katheterbasierte Mitralklappenersatz durchgeführt. Die Mediziner des HGZ vermitteln ihr entsprechendes Fachwissen auf nationalen und internationalen Kongressen.

Erste 3D-Live-Übertragung Norddeutschlands einer Klappen-OP

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