Carotis-Chirurgie mit Augenmaß
Fachleute diskutierten beim HGZ-Symposium zur bestmöglichen Therapie der verengten Halsschlagader.
Bad Bevensen. Die innere Halsschlagader versorgt das Gehirn und die Augen mit Blut und damit mit lebensnotwendigem Sauerstoff. Ist dieses große, im medizinischen Fachjargon Carotis interna genannte Blutgefäß verengt oder verstopft, können Schlaganfälle die Folge sein. Welches ist nun die beste Behandlungsmethode einer solchen Carotis-Stenose? Um dieser zentralen Frage nachzugehen, hatte Dr. Thomas Nolte, Direktor des Herz- und Gefäßzentrums (HGZ) Bad Bevensen, Mediziner und weitere Spezialisten jetzt zu einem Symposium eingeladen.
Mehr als 90 Gäste aus der Region führten eine Diskussion weiter, die in Fachkreisen längst entbrannt ist. Denn aktuelle Studien scheinen nahezulegen, dass zur Behandlung einer verengten Halsschlagader die Implantation eines Stents zur Aufweitung und Stabilisierung des Blutgefäßes in Verbindung mit einer intensiven medikamentösen Behandlung der chirurgischen Operation den Rang ablaufen könnte. Doch ganz so einfach ist das nicht – das machte die hochkarätig besetzte Riege der Referenten in ihren Vorträgen deutlich.
Einleitend beleuchteten Anne Breede, leitende Oberärztin des Gefäßzentrums am HGZ, Dr. Iris Brandt, Chefärztin der Neurologie in der Bad Bevenser Diana Klinik, Professor Dr. Martin Storck von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) sowie PD Dr. Michael Graß von Philips Research in Hamburg das Thema aus ihren jeweiligen fachlichen Perspektiven. Dann blickte Dr. Wulf Euringer, Chefarzt der Klinik für Radiologie am HGZ, aus Sicht des interventionellen Therapeuten auf das Thema und brach eine Lanze für die Implantation von Stents: Neueste Modelle würden immer feinmaschiger und flexibler, sodass sie vielfach einsetzbar seien, betonte er.
Dr. Thomas Nolte verwies derweil unter anderem auf Auswertungen des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTG) zu chirurgischen Carotis-Behandlungen. „Mit super Ergebnissen“, betonte er. Daher lautete sein Fazit am Ende des Abends auch: Eine verantwortliche Carotis-Chirurgie werde weder zu viel noch zu schnell durchgeführt. Bei der Auswahl des bestmöglichen Verfahrens seien viele individuelle Faktoren zu berücksichtigen – was im HGZ dank der fächerübergreifenden Zusammenarbeit stets gewährleistet werden könne.
Ein niedergelassener Mediziner aus dem Publikum brachte es schließlich so auf den Punkt: „Es macht sich nicht gut, wenn ein Patient erstmal medikamentös behandelt wird und dann doch mit einem Schlaganfall wiederkommt. Wir schicken ihn daher gern zu Ihnen ins HGZ.“
